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Gina & Frauke Pietsch: Sagen was ist – Eine Hommage an Rosa Luxemburg

Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sagt Rosa Luxem­burg. Der dumme Helmut Kohl sagt, dies sei das einzig Gute, was diese Frau je­mals ge­schrie­ben hat. Natür­lich wollte er sie nicht ver­stehen. Denn Rosa meinte es so, wie der große Saint Just es meinte: Pas de liberté pour les ennemis de la liberté – Keine Freiheit für die Feinde der Frei­heit.

Drei Jahre und 4 Monate ihres kurzen Lebens saß Rosa in Gefäng­nissen und Festungen, in Warschau, Berlin, Wronke und Breslau. Warum? Der Berliner Polizei­präsident 1916 hatte keine Zwei­fel daran, dass die Luxem­burg eine der gefähr­lich­sten und rührig­sten Agitato­rinnen des extrem-radikalen Flügels der Sozial­demokratie sei.

Lenin, der um eine Reihe ihrer Irr­tümer hin­sich­tlich der russi­schen Revo­lution wusste, hörte nie auf, sie für einen Adler unter Hühnern zu halten, der den Kom­munis­ten in der ganzen Welt immer teuer sein wird.

Dass Stalin verächt­lich vom "Luxem­burgis­mus" sprach, hatte schlimme Aus­wirkun­gen für die auch sehr späte Rezep­tion ihrer Werke in der DDR.

Wir sehen in ihr eine der wich­tig­sten und charis­matisch­sten Persön­lich­keiten in der deut­schen Anti­kriegs­bewegung, den Inbegriff des Kampfes für Frieden.

Die die Kriege führten, nann­ten sie die blutige Rosa, wir, denen sie nahe ist, nennen sie gerne einfach Rosa, oder wie Brecht Die rote Rosa.

Hannah Arendt meint: Für Rosa Luxem­burg war die Welt von sehr großer Wichtig­keit, sie interes­sierte sich über­haupt nicht für sich selbst. Dem wollen wir wider­sprechen, denn die Tausen­den ihrer Briefe sprechen viel von ihren Lieben, zu Leo, zu Kostja, zu Paul und Hans, zu Sonitschka, zu Wolken und Pflanzen, zu Goethe und Chopin und immer zu tüch­tiger, inten­siver Arbeit, die einen ganz in An­spruch nimmt mit Hirn und Ner­ven als vom größten Genuß im Leben.

Als sie 17 war, konnte man folgen­des von ihr lesen: Mein Ideal ist eine Gesell­schafts­ordnung, in der es mir ver­gönnt sein wird alle zu lieben. Und Leo Jogiches, den sie liebte, erfährt, sie wolle auf die Men­schen wie ein Blitz wirken, nicht durch Pathos, sondern durch die Weite der Sicht, die Macht der Über­zeugung und die Kraft des Aus­drucks. Wer sie liest, weiß, dass sie sich diesen Wunsch erfül­len konnte und uns sicher in unvorstell­barer Weise mehr, wenn sie sie nicht umgebracht hätten.

Das Ende jedes Menschen ist schlimm, das dieser körper­lich kleinen und lebens­lang geh­behinderten – eine Bio­grafin sagt, drei­fach Stig­mati­sierten, als Frau, als Jüdin, als Krüppel – aber eben un­geheuer starken, weisen, mutigen, lebens- und liebens­frohen Frau, ein schwer beschreib­barer Verlust, für uns bis heute.

Eintritt: 12 € (ermäßigt 10 €)

Zur Website von Gina Pietsch

Ort: Wilma, Wilmersdorfer Str. 163, 10585 Berlin

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