Wilma
163

 

Impressum

optitmiert für 600 x 800
update 1/2012
alle Rechte vorbehalten
© G.Krüßmann  

Ökumenisches Zentrum für
Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit

Wilmersdorfer Str. 163, 10585 Berlin -
Tel: 34505671 & 3366610 &   Fax:  3378142  email:  wilma@oekumenischeszentrum.de

Liebe Leute,

diese mail erreichte uns und wir möchten diese gerne bekanntmachen. Sie spricht für sich selbst.

 

>> Datum: 28. Februar 2010 22:59:49 MEZ
>> Betreff: Israel
>>
>> Liebe FriedensfreundInnen,
>>
>> wie die meisten von Euch wissen, wollte ich meinen Urlaub vom 22. Februar
>> bis zum 17. März in Palästina verbringen, um den Menschen dort zu helfen.
>>
>> Da ich bei meiner letzten Reise im Herbst 2009 keine Schwierigkeiten bei
>> der Ein- und Ausreise in Tel Aviv hatte, rechnete ich bei meiner 2. Reise
>> auch nicht mit größeren Problemen.
>>
>> Es sollte aber leider anders kommen: Am 22. Februar erreichte ich gegen
>> 19 Uhr den Flughafen Ben Gurion. Bei der Passkontrolle antwortete ich auf
>> entsprechende Fragen, warum ich nach Israel gekommen sei, dass es mir
>> hier gut gefallen habe und ich jetzt noch mehr interessante Orte wie
>> Haifa, Akko und das Tote Meer aufsuchen wolle.
>>
>> Ich wurde in ein Wartezimmer geschickt, wo ich ca. 1 Stunde verbrachte.
>> Schließlich rief mich ein Mann in ein Zimmer und stellte mir viele
>> merkwürdige Fragen. Ich sagte ihm das gleiche, aber er schien mir nicht
>> zu glauben. Er sagte mir auch, wenn ich ihn anlügen würde, würde er mich
>> zurückschicken. Er fragte mich u. a., ob ich auch in die Westbank wolle
>> und hier Bekannte hätte. Schließlich stellte er mir auffallend viele
>> Fragen über ISM, d. h. die Organisation, bei der ich als Volontärin tätig
>> sein wollte. ("Are you a part of ISM", "are you in touch with ISM", "do
>> you know ISM" usw.) Ich verneinte natürlich und nichts in meinen
>> mitgebrachten Sachen, die zu der Zeit noch gar nicht kontrolliert waren,
>> wieß mich als Palästina-Sympathisantin aus. Der Verdacht liegt daher sehr
>> nahe, dass Israel meine an ISM geschickten emails abgefangen hat. Der
>> Mann, den ich meiner Einschätzung nach dem israelischen
>> Inlands-Geheimdienst Shabak zurechnete, wollte dann meine Handy-Nr,
>> Festnetz-Nr u. email-Adresse wissen. Da ich mein Handy in Deutschland
>> fast nicht benutze, wusste ich die Nr. nicht vollständig. Er glaubte mir
>> das nicht, obwohl ich die Festnetz-nr., die viel länger war, sofort
>> wusste und aufschrieb. Um seinen Verdacht zu zerstreuen, reichte ich ihm
>> mein Handy und sagte ihm, er könne selbst die Nr. durch bestimmte
>> Einstellungen erkennen. Er machte mein Handy auf und tippte darauf herum.
>> Danach behauptete er, ich hätte vorher tax messages geschrieben an
>> Handy-Nummern von hier. Er zeigte mir auf meinem Handy 3 Mobil-Nummern
>> von Israel/Palästina. Ich kann mir nicht erklären, wie diese 3 Nummern
>> auf mein Handy gekommen sein können; ich bin sicher, dass dieser Mann sie
>> selbst eingetippt hat, um mir eine Falle zu stellen. (Auf meinem Handy
>> sind außer den automatisch gespeicherten hotlines von ADAC usw. nur die
>> Rufnummern von zwei deutschen Freundinnen in Karlsruhe. Ich habe später
>> sämtliche Nummern noch einmal durchgecheckt und die drei Handy-Nr. von
>> Palästina waren verschwunden.)Das zeigt nur einmal mehr, mit welchen
>> unfairen Methoden Israel arbeitet.
>>
>> Alles an meiner Person schien für diesen Mann höchst verdächtig zu sein.
>> So stürzte er sich z. B. bei meiner email-adresse auf "Fatima" und
>> stellte mir Fragen zu meiner Religionszugehörigkeit. Er fragte mich auch,
>> ob ich noch einen anderen Pass, eine 2. Staatsangehörigkeit usw. hätte.
>> Auch über meine Tätigkeit hat er mich genau ausgefragt, obwohl mein
>> Arbeitsverhältnis hier eigentlich nichts zur Sache tut. Trotzdem habe ich
>> ihm bereitwillig geantwortet. Nachdem er noch einmal wiederholt hatte,
>> dass er mich, falls ich ihn angelogen habe, herausschmeißen würde,
>> entgegnete ich ihm, dass ich deutsche Staatsangehörige bin und die
>> Beziehungen zwischen Deutschland und Israel doch gut seien und ich nur
>> meinen Urlaub hier verbringen wolle. Er bekräftigte, dass die Beziehungen
>> zwischen Israel und Deutschland gut seien und drohte mir an, dass er
>> dafür sorgen werde, dass ich - falls ich ihm nicht die Wahrheit gesagt
>> hätte -, nach meiner Rückkehr eine Menge Schwierigkeiten bekommen werde.
>> Mit diesen Drohgebärden wollte er mich offensichtlich einschüchtern; ich
>> blieb aber ruhig und änderte meine Aussagen nicht.
>>
>> Ich musste wieder längere Zeit warten. Es wurde langsam spät und ich
>> machte mir Sorgen, dass ich zu so vorgerückter Stunde vielleicht kein
>> Sheroot (Sammeltaxi) nach Jerusalem mehr bekommen könnte. Ich fragte die
>> Angestellten, ob ich inzwischen schon mein Gepäck nehmen dürfte, was mir
>> aber nicht erlaubt wurde. Schließlich wurde mir gesagt, dass ich wegen
>> Sicherheitsgründen nicht einreisen dürfe und wieder zurückfliegen müsse.
>> Vorher sollte ich noch einen Fingerabdruck hinterlassen, worauf sie dann
>> aber verzichtet haben. Ich erklärte, dass ich jetzt nicht zurückfliegen
>> könne und wolle, sondern nach Jerusalem fahren müsse. Schließlich war
>> mein Rückflug auf den 17. März gebucht und bezahlt. Meine
>> Buchungsbestätigung hatte ich übrigens dem Mann, der mich verhört hat,
>> gezeigt und der hat sie einfach behalten zusammen mit meinem Reisepass.
>>
>> Ich erklärte dem Personal immer wieder, dass ich nicht zurückfliegen
>> werde und dass ich mit meiner Botschaft sprechen wolle. Sie blieben aber
>> dabei, dass ich aufgrund von Sicherheitsbedenken des Innenministeriums
>> nicht einreisen dürfe und machten mich fertig für den Rückflug, ohne dass
>> ich dies verstand. (Sie durchsuchten meine Taschen und meinen Koffer.)
>> Meinen Rückflug bei Turkish Airlines buchten sie ohne mein Wissen und
>> gegen meinen Willen einfach für den nächsten Morgen um. Schließlich
>> brachten sie mich mit einem großen Bus in ein Gefängnis, das sie
>> "detention room" nannten. Mich selber logen sie an, dass wir nach
>> Jerusalem fahren würden. Im "detention room" wurde ich trotz meines
>> Protestes eingesperrt; die Tür war verschlossen mit einem Sichtfenster
>> für die Wärter und vergitterten Fenstern. Außer mir waren noch zwei
>> Frauen da: eine Rumänin, die auch etwas Hebräisch sprach und eine
>> Deutsche, die fest schlief. Die Rumänin wurde später herausgerufen, die
>> Deutsche früh am Morgen mit den Worten: "Karolina, your plane". Später
>> wurde dann eine junge Französin mit marokkanischer Abstammung gebracht,
>> die einen sehr deprimierten Eindruck machte. Sie war schon einmal in
>> Ost-Jerusalem und verstand nicht, warum man sie jetzt einsperrte.
>>
>> Ich durfte die ganze Zeit nichts von meinen Taschen nehmen und diese
>> nicht anrühren. Nach wiederholtem Verlangen, mit meiner Botschaft und
>> einem Rechtanwalt zu sprechen, durfte ich schließlich mit der deutschen
>> Botschaft telefonieren. Ich ließ mich mit der Rechtsabteilung verbinden
>> und erklärte die Situation. Die Frau von der deutschen Botschaft
>> telefonierte mit dem Innenministerium und rief mich dann zurück: Ihr war
>> erklärt worden, dass mir aus Sicherheitsgründen die Einreise verweigert
>> worden war. (Dies wäre das Recht jeden Staates). Wenn ich ein weiteres
>> Mal nach Israel reisen wolle, müsste ich mich auch vorher mit dem
>> Innenministerium in Verbindung setzen. Ich dürfte auch diesen "detention
>> room", der ein Abschiebe-Gefängnis sei, bis zu meinem Abtransport nicht
>> verlassen und meine Sachen, die schon eingecheckt seien, nicht anrühren.
>> Alles, was ich machen könne, wäre, mich nach meiner Rückkehr bei der
>> israelischen Botschaft in Deutschland zu beschweren.
>>
>> Kurz darauf wurde ich dann zum Flugzeug gebracht. Der Chef dieses
>> Abschiebe-Gefängnisses hatte mir auch angedroht, im Falle meiner
>> Weigerung die Polizei zu rufen, die mich dann mit Handschellen zum
>> Flugzeug bringen würde. Jeder Widerstand war also zwecklos. Ich Flugzeug
>> erklärte ich noch einmal den Leuten, die mich hergeschleppt hatten und
>> dem Chef des türkischen Flugpersonals, dass ich nicht fliegen wolle. Sie
>> erklärten aber alle, dass es für mich keine andere Möglichkeit gebe.
>> (Später habe ich in Schriftstücken, die sie dem Personal von Turkish
>> Airlines zusammen mit meinem Pass mitgegeben hatten, gelesen, dass der
>> Pilot gezwungen sei, mich abzutransportieren und im Falle seiner
>> Weigerung mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr belangt werden
>> könne. Auch die Unterschrift des Piloten war vorhanden.)
>>
>> Nach ca. 2 Stunden landeten wir in Istanbul und ich dachte, dass ich nun
>> meinen Pass zurückbekommen würde. Das war aber nicht der Fall.
>> Stattdessen wurde ich zusammen mit einer Gruppe von 5 ukrainischen
>> Männern (übrigens Orthodoxe Christen) in ein Zimmer gebracht und wir
>> mussten dort lange warten. Auf meine Frage nach dem Weiterflug nach
>> Stuttgart wurde mir erklärt, dass der nächste Flug erst am nächsten
>> Morgen gehen würde. Ich wurde dann in ein anderes Zimmer gebracht und man
>> erklärte mir, dass ich auf Anweisung der Polizei auch nicht nach draußen
>> dürfe. (Ich sei kein normaler Passagier, sondern befände mich im
>> "immigration status". Das hatte zuvor auch die Frau von der Botschaft
>> erwähnt). Auch mein Einwurf, dass ich mit der Türkei doch kein Problem
>> habe, fand keine Geltung. Ich musste also in Istanbul auch einen halben
>> Tag und eine ganze Nacht in einem geschlossenen Raum verbringen zusammen
>> mit 10 bis 12 anderen Frauen aus Afrika und asiatischen Staaten der
>> früheren Sowjetunion.
>>
>> Am Mittwochmorgen schließlich wurde ich dann zum Flugzeug nach Stuttgart
>> gebracht und bekam erst dort nach der Landung meinen Pass zurück, der
>> zusammen mit den Papieren für Turkisch Airlines in einem Kuvert war. Bei
>> der Passkontrolle muss ich wohl einen ziemlich niedergeschlagenen
>> Eindruck gemacht haben, denn der Beamte fragte mich zweimal, ob alles in
>> Ordnung wäre oder ob ich Hilfe bräuchte.
>>
>> Jedenfalls hat all diese Erniedrigungen und Demütigungen einschließlich
>> dem verlorenen Geld für Flug- und Zugticket mir Israel angetan und einmal
>> mehr gezeigt, was es mit der angeblichen "einzigen Demokratie im Nahen
>> Osten" in Wirklichkeit auf sich hat.
>>
>> Wer von Euch eine Idee hat, was man in meinem Fall machen kann oder ob
>> man überhaupt etwas machen kann, soll es mich bitte wissen lassen.
>>
>> Viele Grüße
>>
>> Leila
 
>

 

[Ökumenisches Zentrum] [Informationen über uns] [AK Frieden & Umwelt] [Video der Generationen 205] [Klimaschutz] [Archiv] [< 2003] [2004] [2005] [2006-2007] [2008] [2009] [2010] [2011] [2012] [Impressum]